Megatrends und Neo-Ökonomie

Megatrends sind allgegenwärtig, sind Thema in Diskussionsrunden auf allen Kanälen. Meist werden nicht die Megatrends an sich diskutiert, liefern aber den Stoff für Diskussionen, sind Herausforderung, Treiber, und Chance zugleich.

Recherchiert man, was man unter Megatrends versteht und welche aktuell von Bedeutung sind, findet man in unterschiedlichen Quellen, übergeordnet oder branchenbezogen, gute 20 bis 30 Megatrends. Allen Definitionen und Beschreibungen gemeinsam ist das Verständnis, dass Megatrends globale Bedeutung haben, über einen längeren Zeitraum von 20 bis 25 Jahren wirken, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Dimensionen haben und miteinander in Wechselwirkung stehen – was die Betrachtung und den Umgang mit den Megatrends und ihren Auswirkungen komplex macht. Die öffentliche Diskussion beherrschen aktuell die Megatrends

  • Globalisierung,
  • Digitalisierung (auch Konnektivität genannt, mal Künstliche Intelligenz inkludiert, mal nicht) und nicht zuletzt
  • der – anthropogen beförderte – Klimawandel.

Die weiterführende Beschreibung dieser und weiterer Megatrends und ihrer Bedeutung für unser Leben und Wirtschaften sind in der Rubrik Megatrends nachzulesen.

Der Digitalisierung kommt im Zusammenhang mit mehreren anderen Megatrends wie der Globalisierung, Mobilität, Gesundheit oder Individualisierung eine zentrale Bedeutung zu. Durch digitale Technologien werden weltweite Kommunikation, Datenaustausch zwischen Mensch und Maschine oder zwischen Maschinen möglich. Das “Internet of Things” und “Smart Devices” prägen unser Leben, Produktion, Wirtschaft. Künstliche Intelligenz, Deep Learning, die Verbindung zwischen Mensch und Maschine – in den schier unendlichen Möglichkeiten liegen Herausforderungen, mit denen wir lernen müssen, umzugehen. Die hohe Geschwindigkeit, mit der Kommunikation geschieht, die Informationsflut, die Erwartungshaltung bei vielen Menschen, innerhalb von Sekunden Reaktionen und Antworten zu erhalten, kann ein enormer Stressfaktor sein. Auch ethisch-moralische Grenzen und Fragestellungen wollen behandelt werden.

Die Globalisierung wird in unterschiedlicher Art und Weise wahrgenommen und diskutiert. Die Verfügbarkeit von Waren aus jeder Region der Erde, globale Wertschöpfungsnetze und Austausch von Informationen und Daten in Echtzeit bieten immense Vorteile und Gewinne verschiedenster Art und Weise. Aber die Globalisierung hat auch ihre Schattenseiten. Angefangen beim Einfluss auf regionale Ökosysteme, die durch Neozoen und Neophyten massiv verändert werden, über die Konsequenzen für die Wirtschaft mit globalen Wettbewerbern, enormem Preisdruck und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen bis hin zur globalen Verbreitung von von Krankheitserregern wie aktuell das Sars-Cov2-Virus, das die Menschen vor ungeahnte Herausforderungen gestellt hat.

Globales Bevölkerungswachstum, globale Zunahme von Produktion und Konsum, gepusht durch neue Technologien und Effizienzsteigerungen führen zu einem steigenden Verbrauch von Ressourcen und letztlich zu einem Anstieg von Treibhausgas-Emissionen. Diese sind – hieran besteht kaum mehr Zweifel – Ursache für die im Mittel in den letzten 100 Jahren deutlich messbare Erderwärmung, die regional mit einer Umverteilung von Niederschlägen, Hitze- und Dürreperioden, Zunahme von Starkwetterereignissen, Abschmelzen von Gletschern und Auftauen von Permafrostgebieten einhergeht. Weiterer Effekt des Bevölkerungswachstums und des steigenden Ressourcenverbrauchs ist die Verschmutzung der Umwelt, die Verknappung der natürlichen Ressourcen Boden und Wasser und ein deutlicher Verlust von Biodiversität.

Die Wirtschaft mit der Produktion von Waren und Dienstleistungen steht im Zentrum unseres Seins und profitiert von Entwicklungen wie eine wachsenden Käufergruppe, der Globalisierung und der Digitalisierung. Weit weg von Substistenzwirtschaft finden wir heute eine hoch arbeitsteilige und oft auch hoch spezialisierte Wirtschaft vor, die seit mehreren Jahrzehnten Wachstum und Profit erfolgreich als Ziel verfolgt.

Doch vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen, dem Erreichen sogenannter Kipppunkte und den Auswirkungen einer Erderwärmung über das erklärte 1,5 °C-Ziel hinaus, ändert sich das Bewusstsein in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, dass wir es (noch) in der Hand haben, wie unsere Zukunft und die kommender Generationen aussehen wird. Dass wir uns in allen Bereichen in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln müssen. Dass wir Materialien im Kreislauf führen, Energie aus regenerativen Quellen gewinnen müssen, unsere Bedürfnisse und unseren Konsum kritisch hinterfragen müssen. Die Konzepte sind da: die sogenannte Sharing-Economy sei ein Beispiel. Oder Recycling und Up-Cycling. Teilen statt besitzen, den Lebenszyklus von Produkten und Materialien verlängern. Aus weniger Ressourcen mehr machen. Unternehmen entdecken und entwickeln in diesem Bereich erfolgreich neue Geschäftsmodelle. Wir brauchen aber mehr als das. Wir brauchen die große Transformation in Richtung Nachhaltigkeit, um Unternehmen und Gesellschaft zukunftsfähig zu machen und eine Zukunft zu gestalten, die allen Menschen und allen Lebewesen auf der Erde gerecht wird.

Und so kommen wir zum Thema Neo-Ökonomie. Wirtschaften ist nicht erforderlich, wenn Güter oder Ressourcen tatsächlich unendlich verfügbar sind. Dies ist lediglich in Bildern und Visionen wie dem Schlaraffenland der Fall. Die Realität sieht anders aus und wir sehen heute mehr und mehr die Endlichkeit der Ressourcen und Kapazitäten unseres Planeten – als Lebensgrundlage für unsere (anspruchsvolle) Spezies.

Mit knappen Ressourcen umzugehen ist prinzipiell nichts Neues, Angebot und Nachfrage, Markt- und Wettbewerbsstrategien, Effizienz für mehr Profit und Wachstum waren der Antrieb. Nun haben sich aber seit der Entwicklung unserer Wirtschaftssysteme die Randbedingungen deutlich verändert und mehr und mehr wird klar, dass nicht endendes Wachstum nicht realisierbar ist, ohne unsere Lebensgrundlage zu zerstören, dass wir die Ziele überdenken müssen – und ökonomische Ziele unter gleichzeitiger Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Zielen gesetzt werden müssen.

Wir wollen die Wirtschaft neu denken. Wir wollen eine neue Ökonomie: Neo-Ökonomie. Es gibt vor dem Hintergrund der beschriebenen Erkenntnisse bereits interessante Ansätze für neue Wirtschafts-Systeme. Beispiele sind die Postwachstums- oder die Gemeinwohl-Ökonomie. Wir wollen diese Ansätze diskutieren, weiter entwickeln, neu erfinden und umsetzen. Wir wollen es zulassen, groß zu denken. Der Nachteil des “Groß-Denkens” ist aber auch, dass die Umsetzung sehr aufwändig und schwierig ist. Daher wollen wir auch einzelne Puzzleteile entwerfen und diese in Projekten realisieren. Und so Schritt für Schritt in Richtung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Wirtschaft gehen.

Gemeinsam mit Unternehmen, mit der Wissenschaft, mit der Politik, mit Menschen – Visionären, Realisten, Optimisten, Kreativen, Machern.

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